Sonntag, 4. Dezember 2011

Friesland Poker: Stadtmeister Sascha Sotyn im Interview

Moin tosamm,

ich freue mich über denjenigen, der bei meinem ersten Interview für Nicsmix - der Pokerblog mitwirkt - und den Anlass: Sascha Sotyn hat am Sonnabend das Finale der Tivoli-Serie von Friesland Poker für sich entschieden und stand mir gleich am Sonntag für meinen Blog Rede und Antwort. Was bewegte ihn an diesem Abend, wer drückte besonders die Daumen? Das erfahrt Ihr in den kommenden Zeilen. Wie das Turnier selbst verlief, überlasse ich im Großen und Ganzen Markus Helmke, einem der Organisatoren von Friesland Poker. Sobald der Bericht fertig ist, stelle ich ihn auch gerne hier online.

Stadtmeister für 2011: Sascha Sotyn.
Foto: Friesland Poker
Ein paar Details kann und möchte ich aber verraten: Bei den letzten drei Spielern am Final Table handelte es sich um Benjamin Padeken, meinen Favoriten, sowie Renke Bartels und Sascha. Benjamin sollte der nächste Teilnehmer sein, der vom Tisch ging. Die entscheidende Hand für die beiden Finalisten: Renke schob im Small Blind seine 10 Big Blinds mit Kc und 2h in die Mitte. Sascha callte prompt mit Ad, 5c. Der Flop: 2d, 4h, 6s, am Turn folgte die 3 in Herz. Die Straße für Sascha, gleichbedeutend mit dem Turniergewinn. Denn dass am River noch die 4 in Pik auftauchte, konnte nichts mehr ändern.

Sascha, nochmals herzlichen Glückwunsch zum Gewinn der Stadtmeisterschaft! Wer war der erste Mensch, dem du von deinem Sieg berichtet hast?

Sascha Sotyn:
Vielen Dank! Das war meine Mutter. Ohne sie wäre ich nicht bei diesem Turnier dabei gewesen. Sie hat mich das ganze Jahr über unterstützt, auch in Zeiten, als es mir nicht so gut ging und der Kopf nicht frei war. Das ist entscheidend: Wenn ich mich nicht gut fühle, spiele ich auch kein gutes Poker. Das erste Mal sprach ich mit ihr, als wir am Final Table nur noch zu dritt waren - und eben dann, als ich den Titel gewonnen hatte. Etwas, dass ich erst einmal realisieren musste. Als in der finalen Hand die Karten auf dem Tisch lagen, habe ich nicht bemerkt, dass am Turn im Grunde genommen alles gelaufen war. Eine Art Black out - und im Hintergrund fingen bereits die Leute an zu feiern. (lacht)

Wenn du dir den Turnierverlauf vor Augen führst, welche Momente zählst du dann zu den entscheidenden?

Nach einer halben Stunde wäre ich fast raus gewesen. An ein paar Händen hatte ich mich bereits beteiligt, mein Stack lag zu diesem Zeitpunkt allerdings nur noch bei 5.500 Chips (Anmerkung: der Startstack begann bei 10.000). Und neben mir startete Patrik Könighaus seine berühmte "Pacman"-Show und sammelte fleißig Chips. Mein Gedanke in diesem Augenblick: Ich wollte nicht als Erster rausfliegen. Dann bekam ich A,8o gedealt, auf dem Flop tauchten A,8 und eine weitere Karte auf, allerdings komplett in Kreuz. Wolfgang Richter setzte 2.000 Chips, mein Gegner Frank Backhaus ging raus. Ich überlegte - und callte. Kein Kreuz auf dem Turn. Ich hatte nur noch 3.500 Chips. Wolfgang ging all-in - und ich callte erneut. Das Ergebnis: Er hatte zwar das Ass getroffen, sonst aber auch nichts. Jetzt konnte ich es lockerer angehen lassen und dachte mir: Das rockst du!

2010 hast du ebenfalls am Tisch gesessen. Verglichen mit diesem Jahr, wo lagen für dich denn die Unterschiede?

Letztes Jahr war ich sehr nervös. Das war diesmal anders. Der gerade von mir genannte Wolfgang Richter war für mich als Erstplatzierter in der 2011er Tabelle der Favorit, parallel hatte ich auch Sascha Cohrs, Frank Backhaus oder etwa Benjamin Padeken als starke Gegner auf dem Schirm. Ich war aber vor allem glücklich, dass ich mir an diesem Abend eben nicht Thomas Gottschalk und "Wetten, dass?!!" anschauen musste, sondern es noch an den Final Table geschafft hatte. 2010 war ich auf Platz 1, mein Name war öfter im Gespräch - diesmal spürte ich keinen Druck.

Wann hast du eigentlich mit dem Pokern angefangen?

Das war im Jahr 2000. Mein Onkel aus den USA sagte mir, ich solle doch mal auf Party Poker spielen. Ich hatte gleich Glück und habe Blut geleckt. Vor zwei Jahren habe ich dann das erste Mal Live-Poker-Luft geschnuppert - nämlich in der "Tenne" in Zetel. Mein erstes Event dort gewann ich und bin im Anschluss dann öfter zu den Turnieren von Friesland Poker gefahren. Wenn ich irgendwie Zeit habe, bin ich dabei.

Erinnerst du dich eigentlich noch an deine Kardinalfehler in deiner Anfängerzeit?

Sicher. Ich habe regelmäßig Straßen übersehen. Ich war einfach zu blind, sie zu bemerken. (lacht)

Zum Abschluss: Was schätzt du denn an Friesland Poker?

Die vier Jungs, die hinter der Organisation stehen, sind einfach mit sehr viel Herzblut dabei. Und: Es sind einfach feine Kerle. Selbst wenn wie beim Einlaufen der Finalisten in diesem Jahr plötzlich die Nebelmaschine verrückt spielt und man ein Viertelstunde nichts mehr sieht, denke ich mir: Hey, wir sind hier nicht in Las Vegas und haben nicht den Anspruch, ein Profi-Verein zu sein! Dafür habe ich hier aber viele Leute kennengelernt, die ich einfach mag - und denen ich vielleicht sonst nie begegnet wäre.
Auch die Spendenaktion für die Heinz Rädecker-Stiftung finde ich stark. Sie kommt krebskranken Kindern zugute. Ich bin selbst ein Mensch, der noch mehr spenden würde, wenn ich viel Geld hätte.

Danke für deine Antworten, Sascha!


Das erste Turnier der nächsten Friesland-Poker-Serie wird am 7. Januar im Gasthof "Tivoli" in Varel stattfinden. Wie gewohnt findet Ihr unter www.friesland-poker.de alle weiteren Infos. Die Startstacks sollen erneut wachsen, dafür aber auch die Blinds schneller ansteigen. Wie im letzten und in diesem Jahr will die Goldschmiede A&T Kunke aus Wiefelstede das Bracelet stellen - es hat einen Wert von rund 400 Euro. Ich freue mich bereits auf die nächste Saison!

Gröten, Nico



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